Feinkeramische Industrie West

Kein Durchbruch bei zweiter Verhandlungsrunde

Die Hoffnung der Tarifkommission für die Feinkeramische Industrie West auf einen zügigen Abschluss hat sich nicht erfüllt. Bei der zweiten Tarifrunde in Fulda trennten sich die Verhandlungspartner am gestrigen Donnerstag ohne Ergebnis. Die Unternehmensseite zeigte sich ausgesprochen unnachgiebig. Ihre vorlegten Vorschläge empfanden die Mitglieder der IG-BCE-Tarifkommission als „nicht zumutbar“.

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Norbert Glaser

Die IG-BCE-Tarifkommission der Feinkeramischen Industrie West hat das Angebot der Arbeitgeber zurückgewiesen.

Auch bei der zweiten Tarifrunde für die Feinkeramische Industrie konnte keine Einigung erzielt werden. Das Angebot der Unternehmen am Ende eines langen Verhandlungstages: Löhne und Gehälter sollten bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von 24 Monaten in zwei Stufen zunächst um 2,0 und dann um 2,1 Prozent erhöht werden. Das zusätzliche Urlaubsgeld würden sie im Jahr 2020 von jetzt 19,82 Euro auf 25 Euro erhöhen. Eine überproportionale Erhöhung der Auszubildendenvergütungen sei möglich. Zudem wird die verbindliche Einführung eines Bundesentgelttarifvertrages in Aussicht gestellt. Zum Vergleich. Die große Tarifkommission der IG BCE hatte 5,5 Prozent höhere Entgelte bei einer Laufzeit von 12 Monaten und ein Plus von 40 Euro beim Urlaubsgeld gefordert. Das Urlaubsgeld wurde zuletzt im vergangenen Jahrhundert angepasst.

Im Zentrum der Diskussion standen bei der zweiten Begegnung die Erhöhungen der Entgelte und des Urlaubsgeldes. „Nach ersten Sondierungen am Vorabend des Treffens waren wir mit einem positiven Gefühl in die Verhandlungen gegangen“, sagt IG-BCE-Verhandlungsführer Hans-Joachim Gerloff. Doch die Stimmung trog. „Die Unternehmensseite zeigte sich ausgesprochen hartleibig.“ Immerhin hatten die Arbeitgeber dieses Mal überhaupt ein Angebot mitgebracht. Zur ersten Verhandlungsrunde in Frankfurt am Main waren sie am 6. Juni ohne konkreten Vorschlag erschienen. Vom mitgebrachten Angebot wollten die Unternehmen im Laufe des Tages nicht wesentlich abrücken. Auch nach mehreren Gesprächsrunden lagen die Vorstellungen der beiden Lager weit auseinander.

„Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber erfüllt in keinster Weise unsere Forderungen“, sagt Gerloff. „Das ist kein tragbares Ergebnis. Eine Wertschätzung für die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben sieht anders aus.“ Jeder Abschluss muss für Gerloff eine realistische Erhöhung der Entgelte widerspiegeln. Er dürfe sich nicht allein an der ökonomischen Situation der schwächsten Betriebe festmachen. Alles andere sei den Kolleginnen und Kollegen nicht zu vermitteln. Gerloff verlangt von den Unternehmen, sich in der dritten Verhandlungsrunde am 17. Juli deutlich zu bewegen. Sonst sei kein Abschluss möglich.

Einig waren sich die Mitglieder der Tarifkommission der IG BCE, dass nun in den Betrieben mobilisiert werden müsse. Sie wollen an der Basis weiter Druck aufbauen. „Gleichzeitig müssen wir den Kolleginnen und Kollegen vermitteln, dass es gute Tarifverträge und erfolgreiche Abschlüsse nur mit einer starken Gewerkschaft gibt“, betont Frank Heßler vom Landesbezirk Baden-Württemberg. „Keine Zeit ist besser geeignet, neue Mitglieder für die IG BCE zu gewinnen.“

Diskutiert wurde auf dem Treffen der großen Tarifkommission auch ein Bundesentgelttarifvertrag. Michael Mostert, Tarifjurist der IG BCE, präsentierte dazu mögliche Eckpunkte: Der Vertrag müsse mit einer Erfolgsverpflichtung versehen werden. Ab dem 4. Quartal 2019 könnte verhandelt werden. Bis zum 31. Dezember 2021 sollten die Gespräche abgeschlossen sein. Der bereits mit der Unternehmensseite abgestimmte Entgeltgruppenkatalog könnte übernommen werden. Bei der Überführung der einzelnen Lohn- und Gehaltsgruppen in einen künftigen Bundesentgelttarifvertrag – was nur tariflich geschehen sollte – dürften Kolleginnen und Kollegen nicht schlechter gestellt werden. Mostert plädierte für eine Übergangszeit von drei Jahren und die Beibehaltung der bisherigen Regionalstrukturen, um einen unnötigen Kraftakt zu verhindern.

In der Feinkeramische Industrie arbeiten mehr als 20.000 Beschäftigte. Zu ihr gehören die Bereiche Fliesen, Porzellan, Sanitärausstattung und technische Keramik. Die Situation der einzelnen Sparten ist dabei recht unterschiedlich. Denn die Branche ist ausgesprochen vielfältig strukturiert. Sie produziert innovative High-Tech-Produkte, aber auch traditionelle Ware, die starker ausländischer Konkurrenz ausgesetzt ist. Recht unterschiedlich stellt sich deshalb die Lage der einzelnen Betriebe dar. Die IG BCE versucht in den Tarifverhandlungen den verschiedenen Produktionsbedingungen gerecht zu werden.

Der Umsatz der Gesamtbranche ist in den vergangenen Jahren stetig auf inzwischen 2,9 Milliarden Euro gestiegen, ebenso der Anteil der Exporte (mittlerweile fast 50 Prozent). Diese Tendenz setzt sich in diesem Jahr fort. Die Lohnquote blieb dabei weitgehend konstant, während der Umsatz je Beschäftigten zunahm.

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